HOHLBLOG..

(ACHTUNG, DIESES ZITAT IST GEFÄLSCHT!)
"Das BLOG wird gewöhnlich als ein Ort verstanden, welches das Begehren des Subjekts realisiert - diese grundliegende Definition erscheint recht zutreffend, vorausgesetzt, wir nehmen sie wörtlich: was das BLOG inszeniert, ist nicht ein Schauplatz, an dem unser Begehren erfüllt, vollkommen befriedigt werden könnte, sondern im Gegenteil ein Schauplatz, der als solcher das Begehren
r e a l i s i e r t und inszeniert.
Der Kernpunkt der Psychoanalyse ist nämlich, dass das Begehren nicht etwas ist, das vorab existiert, sondern etwas, das konstruiert werden muss - und genau dies ist die Rolle des Blogs: dem Begehren des Subjekts Koordinaten zu setzen, dessen Objekt zu spezifizieren, die Position zu bestimmen, die das Subjekt in seiner Szenerie einnimmt etc.
Nur durch das BLOG konstituiert sich das Subjekt als begehrendes:
Durch das BLOG lernen wir zu begehren."
(Slavoj Zizek,'Mehr-Genießen', Wien 1992, S.9)
'
I Don't Want To Grow Up'
walhalladada - 20. Jun, 07:42
steppenhund - 20. Jun, 11:46
Meiner Meinung nach geht es nicht nur um das Begehren. Das Blog stellt eine versuchsweise Manifestation dar, die in zwei Stufen genossen werden kann: Ersatz oder Addition. So wie sich manche Menschen in Bücher flüchten, um der Realität nicht allzutief ins Auge schauen zu müssen, können auch im Blog virtuelle Welten erzeugt werden, in denen wir selber eine Hauptrolle spielen. Im "Hitchhiker's Guide to the Galaxy" kommt diese unheimliche Bestrafungsmaschine vor, die Zaphod Beeblebrox übersteht, weil er sich selbst als Zentrum des Universums sieht, während der normal Bestrafte durch die Ansicht seiner persönlichen Kleinheit - im Vergleich mit dem Universum - verrückt wird. Im Blog werden plötzlich unsere Vorstellungen real.
Wenn das Blog als Addition genossen wird, so stellt es eine neue Beleuchtungsart des realen Lebens dar. Ein Blick, wir wie ihn früher nicht kennen konnten. Ebenso konnten wir früher nichts mit Fraktalen anfangen, bevor nicht die technischen Möglichkeiten gegeben waren.
Das Blog als Ding an sich gibt es gar nicht, stelle ich einmal frech in den Raum;)
Wenn das Blog als Addition genossen wird, so stellt es eine neue Beleuchtungsart des realen Lebens dar. Ein Blick, wir wie ihn früher nicht kennen konnten. Ebenso konnten wir früher nichts mit Fraktalen anfangen, bevor nicht die technischen Möglichkeiten gegeben waren.
Das Blog als Ding an sich gibt es gar nicht, stelle ich einmal frech in den Raum;)
walhalladada - 20. Jun, 12:18
Das Ding an sich gibt es ja sowieso nicht, was es aber gibt, ist das Blog als ein vom und aus dem Nichts gezeugtes Ding...
(das ist gerade unter technischen Aspekten
"mit Händen"(!) zu greifen...)
Was wäre denn die Funktion dieses 'Dings'?
Es ist Bühne, wo das Begehren zwar nicht erfüllt, aber immerhin inszeniert werden kann, sagt Zizek...
Das Begehren zu inszenieren heißt aber auch, mit ihm spielen...heißt, Distanz und Nähe zu probieren...
und heißt, last not least einem 'gesunden' Größenwahn frönen, nämlich sich selbst (sein SELBST) als Mittelpunkt zu begreifen und zu artikulieren!
Ich bin mir völlig sicher, dass z.B. 'Mutter Theresa' nichts anderes getan hat...
(das ist gerade unter technischen Aspekten
"mit Händen"(!) zu greifen...)
Was wäre denn die Funktion dieses 'Dings'?
Es ist Bühne, wo das Begehren zwar nicht erfüllt, aber immerhin inszeniert werden kann, sagt Zizek...
Das Begehren zu inszenieren heißt aber auch, mit ihm spielen...heißt, Distanz und Nähe zu probieren...
und heißt, last not least einem 'gesunden' Größenwahn frönen, nämlich sich selbst (sein SELBST) als Mittelpunkt zu begreifen und zu artikulieren!
steppenhund - 20. Jun, 12:38
Kommen wir da nicht zu schnell in den Bereich einer Ethikdiskussion? das konnte ja bislang recht gut ignoriert werden...
walhalladada - 20. Jun, 13:12
Schnell gesagt...
Da möcht ich nun überhaupt nicht hin!!
(Lange Pause................................)
Frage:
Wodurch sehen Sie den Ethikaspekt naheliegen?
(Durch Mutter Theresa? Die hab ich schnell durchgestrichen...)
Oder haben Sie da etwas anderes im Sinn?
(Lange Pause................................)
Frage:
Wodurch sehen Sie den Ethikaspekt naheliegen?
(Durch Mutter Theresa? Die hab ich schnell durchgestrichen...)
Oder haben Sie da etwas anderes im Sinn?
Gregor Keuschnig - 20. Jun, 15:21
Nach allem, was ich von Zizek gehört und gelesen habe (gelesen nur einige Essays in Zeitschriften) ist er vor allem ein Aphoristiker mit Drang zu medialer Darstellung. Vermutlich ist sein Vortrag über Masturbation nebst Deutung einer dreieinhalb Sekunden Szene aus "Casablanca" typisch für ihn.
Man entschuldige die Abschweifung.
Man entschuldige die Abschweifung.
walhalladada - 20. Jun, 16:02
Herr Keuschnig!
Wollen Sie etwa meinen Sandkastenblog unterminieren :>)
(Das Abschweifen wird jedenfalls von meinem Teil des 'man' durchaus gern gesehen).
Ich habe Zizek als 'Übersetzer' der Lacanschen Psychoanalyse schätzengelernt. Als Aphoristiker würde ich ihn nur insofern ansehen wollen, als die Sprache nun mal deren Medium ist.
In den vier Büchern, die ich von ihm gelesen habe verblüfft (kein Bluff!) mich vor allem seine Kenntnis der deutschen Philosophiegeschichte und der daraus erwachsende (psycho)analytische Ansatz! Manches ist redundant, aber unbedingt zu empfehlen ist zur Erstlektüre das bereits unten nachgewiesen Buch: 'Liebe dein Symptom wie dich selbst!'
Wollen Sie etwa meinen Sandkastenblog unterminieren :>)
(Das Abschweifen wird jedenfalls von meinem Teil des 'man' durchaus gern gesehen).
Ich habe Zizek als 'Übersetzer' der Lacanschen Psychoanalyse schätzengelernt. Als Aphoristiker würde ich ihn nur insofern ansehen wollen, als die Sprache nun mal deren Medium ist.
In den vier Büchern, die ich von ihm gelesen habe verblüfft (kein Bluff!) mich vor allem seine Kenntnis der deutschen Philosophiegeschichte und der daraus erwachsende (psycho)analytische Ansatz! Manches ist redundant, aber unbedingt zu empfehlen ist zur Erstlektüre das bereits unten nachgewiesen Buch: 'Liebe dein Symptom wie dich selbst!'
Gregor Keuschnig - 20. Jun, 16:26
Danke für diesen Hinweis
Auf einer imaginären Liste unbedingt zu lesender Bücher habe ich Ihre Empfehlung notiert.
Respekt vor der Lektüreleistung.
Respekt vor der Lektüreleistung.
walhalladada - 20. Jun, 16:33
Ich danke für den link! Auf die Idee wäre ich nicht gekommen bei youtube nach Zizek zu fahnden...Diese Ausschnitte tragen wenig zur 'Wahrheitsfindung' bei,
das wissen Sie so gut wie ich...
das wissen Sie so gut wie ich...
Gregor Keuschnig - 20. Jun, 16:59
Wahrheitsfindung?
Warum? Halten Sie das Video für ein Fake? Ich nicht. Ich habe Zizek vor einiger Zeit mal in einer Diskussion im Fernsehen gesehen. Was mich beeindruckte ist seine geradezu physische Anteilnahme, mit der er diskutiert. Der ganze Körper ist in Bewegung. Geradezu das Gegenteil des nüchternen Professors, wie man ihn sich gemeinhin vorstellt (beispielsweise bei Sloterdijk, der seine Sottisen mit einer grossen Trockenheit präsentiert).
Aber wie gesagt, es war eh' eine Abschweifung.
Aber wie gesagt, es war eh' eine Abschweifung.
walhalladada - 20. Jun, 17:22
Nein, kein fake, natürlich nicht! Ich habe diesen massigen Menschen relativ oft gesehen (leibhaftig!), ohne zu wissen, wer es ist, ganz zu schweigen davon, etwas von ihm gelesen zu haben...Ein Kommentar zum Video spricht ja Bände: 'Is he on speed...?' In der Tat ganz engagiert und in dieser Gänze nicht frei von einer gewissen 'Lächerlichkeit', die zudem noch vom Thema unterstützt zu werden scheint...Diesen Aspekt möchte ich nun wiederum nicht unbedingt unterstützt wissen...insofern war der anfänglich geäußerte 'Verdacht' des Unterminierens durchaus auch eine Abwehrreaktion...
Bitte schweifen Sie ab, wann immer Sie das Bedürfnis haben! Danke!
Bitte schweifen Sie ab, wann immer Sie das Bedürfnis haben! Danke!
Adam Fliege - 20. Jun, 21:48
„Durch das BLOG lernen wir zu begehren“
Wenn „ich“ „schreibe“, bin „ich“ der „Mittelpunkt“, in diesen Sekunden und Minuten, zweifelsohne. Aber, ehrlich, während des Schreibens ist mir das egal. Da geht es nur ums Fort-Kommen: fortkommen von diesem Buchstaben, diesem Wort, diesem Satz. Um den Glauben, es gäbe eine Instanz in mir, die mich führt, und zwar ins Ungewisse, das sich in diesem Augenblick als Gewißheit enthüllt – daß ich nämlich noch bei Sinnen bin; daß ich meine Finger noch bewegen kann und die Muskeln, die mich aufrechthalten und auch die inneren Organe noch funktionieren; daß ich noch ich der Lage bin, als „ich“-Erfahrung oder auch -Konstrukt eine Auswahl zu treffen und einen Standpunkt einzunehmen; daß auch noch meine Erinnerungsfähigkeit intakt ist, zumindest so weit, daß ich bis zum Anfang dieses kurzen Schreibstücks zurückdenken und zugleich auch die Hoffnung aufrechterhalten kann, daß kein unmittelbarer Abbruch naht. Wenn ich allerdings eine Stimme höre – keine innere, sondern eine von außen, eine mir wohlbekannte - , die mein Begehren, welcher Art auch immer weckt oder verstärkt, den Platz vor dem Computer zu verlassen, versetzt mich das sofort in Unruhe. Plötzlich will ich nicht mehr reflektieren, sondern reflektiere auf eine Lösung, die sich in ihrem Versprechen angekündigt hat. Sie sagte: Wie lange dauert es noch? Das ist eine Frage, die sich – auch während des Verfassens eines Blogbeitrags - immer im Hintergrund bereit hält!
walhalladada - 20. Jun, 22:40
Dieses 'Ganz bei sich sein' ist unabdingbare Voraussetzung für die angesprochene 'Inszenierung' des Begehrens. Dazu gehört die Schriftlichkeit in ihrer monologischen Struktur und ausdrücklich nicht der Dialog, der eher ablenkt. Wovon? Von der Anstrengung der Selbstkonstruktion, von der Anstrengung dem eigenen Begehren Ausdruck zu finden...die Instanz, von der Sie sprechen ist das mehr oder weniger wackelige Ergebnis immer wieder erprobter Inszenierungen – vielleicht hat hier ja der ominöse Erfahrungsbegriff seinen genuinen Ort: Die Frage: „Wie lange dauert es noch“ ist mir zu Genüge bekannt und nurmehr das beruhigende äußere Echo eines beunruhigenden inneren Stakkatos...
Das hab ich jetzt alles sehr schnell geschrieben, denn die Frage steht bereits wiederholt im Raum :-)
Das hab ich jetzt alles sehr schnell geschrieben, denn die Frage steht bereits wiederholt im Raum :-)
steppenhund - 20. Jun, 22:04
Es gab ja Zeiten, da hat sich im Blog wirklich ein Begehren versteckt. Eines mit realem Ziel. Jetzt ist der Wunsch ein viel trivialerer: Anerkennung.
Und das Blog ist ein guter Prüfstand: es gibt genuine Anerkennung, verblüffte Anerkennung, demagogisch evozierte Anerkennung und die von einem selber, wenn man einen Beitrag nach Monaten liest und nicht glauben kann, dass man ihn selbst geschrieben hat.
Es gibt vermutlich noch ein paar andere Anerkennungen. Sie lassen sich in masturbatorische und extrovertiert-vertierte unterscheiden.
Aber das Begehren ist an sich sehr vordergründig und muss sich gar nicht erst durch sich selbst definieren:)
Und das Blog ist ein guter Prüfstand: es gibt genuine Anerkennung, verblüffte Anerkennung, demagogisch evozierte Anerkennung und die von einem selber, wenn man einen Beitrag nach Monaten liest und nicht glauben kann, dass man ihn selbst geschrieben hat.
Es gibt vermutlich noch ein paar andere Anerkennungen. Sie lassen sich in masturbatorische und extrovertiert-vertierte unterscheiden.
Aber das Begehren ist an sich sehr vordergründig und muss sich gar nicht erst durch sich selbst definieren:)
walhalladada - 20. Jun, 23:20
Schön, dass Sie wieder da sind...die Fäden liegen lose herum und wollen geknüpft werden! Da ist das Stichwort 'Anerkennung', das Sie 'additiv' ins Spiel bringen...
Das ist es nicht! Es ist auch nicht 'Flucht' im Sinne einer 'Ersatzbefriedigung...
Was ist es dann? Zunächst einmal eine simple Ausdrucksmöglichkeit! Fragen Sie mich jetzt bloß nicht, ob ich denn keine andere Möglichkeit hätte, mich auszudrücken! Ich müßte dann nämlich gestehen, keine zu haben! Einsam bin ich nicht, mir mangelt es nicht an Freund- und Bekanntschaften;
ich kommuniziere beruflich und privat eher zuviel als zuwenig..., was mir fehlt ist trotz allem oder gerade deswegen, ich gestehe es ungern: Selbst-Bewusstsein, d.h. ein Bewusstsein meiner selbst!
(Mit der extrovertierten Variante bin ich hingegen reichlich gesegnet...)
Vielmehr will mir auch angesichts der vorgerückten Stunde im Moment nicht einfallen...Bringen wir es also für jetzt auf die Formel:
Bloggen macht selbst-bewusst!
Das ist es nicht! Es ist auch nicht 'Flucht' im Sinne einer 'Ersatzbefriedigung...
Was ist es dann? Zunächst einmal eine simple Ausdrucksmöglichkeit! Fragen Sie mich jetzt bloß nicht, ob ich denn keine andere Möglichkeit hätte, mich auszudrücken! Ich müßte dann nämlich gestehen, keine zu haben! Einsam bin ich nicht, mir mangelt es nicht an Freund- und Bekanntschaften;
ich kommuniziere beruflich und privat eher zuviel als zuwenig..., was mir fehlt ist trotz allem oder gerade deswegen, ich gestehe es ungern: Selbst-Bewusstsein, d.h. ein Bewusstsein meiner selbst!
(Mit der extrovertierten Variante bin ich hingegen reichlich gesegnet...)
Vielmehr will mir auch angesichts der vorgerückten Stunde im Moment nicht einfallen...Bringen wir es also für jetzt auf die Formel:
Bloggen macht selbst-bewusst!
steppenhund - 21. Jun, 00:05
Als ob ich nicht schon über ausreichend Selbstbewusstsein verfügen würde;)
Bei einem Seminar für Führungskräfte vor wenigen Tagen sollten die Teilnehmer bei ihrer Vorstellung auch angeben, was ihr Traumberuf wäre. Eine unglaubliche statistische Häufung wies 5 Schriftsteller, 2 Maler und einen anderen Beruf aus, der entfernt künstlerisch angesiedelt war.
Was ersehe ich daraus? Wer schreiben kann, hat auch eine Lust am Schreiben. Aber ganz so abwegig ist die Assoziation Führungskraft - Autor nicht. Das Hineindenken in andere Menschen ist eine gemeinsame Notwendigkeit. Der Autor kann sich zwar von seinen Figuren führen lassen, aber letztendlich möchte er doch die Fäden in der Hand behalten, wenn jene zu agil werden.
Und jetzt geh ich schlafen. Denn jetzt heißt es in Zukunft "ab fünf" und nicht "bis fünf":)
Bei einem Seminar für Führungskräfte vor wenigen Tagen sollten die Teilnehmer bei ihrer Vorstellung auch angeben, was ihr Traumberuf wäre. Eine unglaubliche statistische Häufung wies 5 Schriftsteller, 2 Maler und einen anderen Beruf aus, der entfernt künstlerisch angesiedelt war.
Was ersehe ich daraus? Wer schreiben kann, hat auch eine Lust am Schreiben. Aber ganz so abwegig ist die Assoziation Führungskraft - Autor nicht. Das Hineindenken in andere Menschen ist eine gemeinsame Notwendigkeit. Der Autor kann sich zwar von seinen Figuren führen lassen, aber letztendlich möchte er doch die Fäden in der Hand behalten, wenn jene zu agil werden.
Und jetzt geh ich schlafen. Denn jetzt heißt es in Zukunft "ab fünf" und nicht "bis fünf":)
MoniqueChantalHuber - 21. Jun, 04:19
ohne allzu viele schnickschnackwortgefüge, würd ich mal sagen, der antrieb zur bloggerei rührt hauptsächlich daher, dass auf diese weise möglich wird, was im leben abseits des bildschirms nur eingeschränkt funktioniert: gewisse komponenten seiner persönlichkeit darzustellen, so wie man selbst sie sieht. die absolute selbstdarstellung.
ich mache mICH zum thema, um meine wahrheiten zu verbreiten, ich erkläre mICH (entweder als person im reinen ich-blog oder als interessensgebiet im themenbezogenen blog) bewusst oder unbewusst immer wieder aufs neue.
vielleicht hat bloggen ein wenig ähnlichkeiten mit den anfängen einer freundschaft oder liebesbeziehung, wo ICH versuche dem anderen ein bild von mir zu vermitteln, erkläre wie ich funktioniere. der blog bietet spielraum und möglichkeit genau diese euphorie aufrechtzuerhalten, die entsteht, wenn das ICH publikum hat, die im alltag allerdings schnell wieder verschwindet, weil naturgemäß auch das gegenüber den drang verspürt sich mitzuteilen.
schreiben ist bühne und ich bin darsteller und/oder regisseur. kommentare, manchmal sogar solche kritischer natur, sind eine bestätigung und balsam für`s ICH - setzt sich doch jemand mit MIR auseinander, beschäftigt sich mit meinem wesen oder dem was ich davon preisgebe.
wo sonst darf das ICH eine derart große Rolle spielen?
ein bisschen ist der blog auch wie eine gedanken- und persönlichkeitsauslagerung bzw. eher ausstülpung. ich schaffe meinem ICH einen raum ausserhalb meines kopfes. ich mache sichtbar was mICH bewegt. ich gebe dem ICH oder einem teilICH gestalt.
"bewusstsein ist ein singular, dessen plural wir nicht kennen" sagt der schrödinger, die haupteigenschaft eines bewusstseins ist ja vermutlich die egozentrik, ich bin der überzeugung, dass ein ICH-begriff immer danach strebt sich auszudrücken, ein ICH hat zwar gelernt auch ein WIR zu akzeptieren, eher noch als ein DU, ist sich selbst jedoch meist wichtiger. das ICH will platz und von den anderen ICHs verstanden werden (obwohl die aus der ICH-sicht natürlich niemals gleichberechtigt sein können).
im schreibprozess hat das ICH endlich kein WIR oder DU auf das es rücksicht nehmen müsste, kein anderes ICH mit dem es konkurriert. es kann sich ungestört inszenieren und entfalten. der blog bietet dem ICH einige zusatzfunktionen, die z.b. ein autorenICH nicht hat. rankinglisten, abonennten und besucherzähler geben dem ICH einen zusätzlichen kick. nun kann es sich nicht nur lang und breit erklären, sondern endlich sofort messen wieviel es wert ist (das ICh kann ohne anerkennung von fremden ICHS nicht sein, obwohl es doch so gerne hätte, dass alle anderen ICHs ihm gleichen.)
spontane hobbypsychologie, unter umständen etwas wirr
ich mache mICH zum thema, um meine wahrheiten zu verbreiten, ich erkläre mICH (entweder als person im reinen ich-blog oder als interessensgebiet im themenbezogenen blog) bewusst oder unbewusst immer wieder aufs neue.
vielleicht hat bloggen ein wenig ähnlichkeiten mit den anfängen einer freundschaft oder liebesbeziehung, wo ICH versuche dem anderen ein bild von mir zu vermitteln, erkläre wie ich funktioniere. der blog bietet spielraum und möglichkeit genau diese euphorie aufrechtzuerhalten, die entsteht, wenn das ICH publikum hat, die im alltag allerdings schnell wieder verschwindet, weil naturgemäß auch das gegenüber den drang verspürt sich mitzuteilen.
schreiben ist bühne und ich bin darsteller und/oder regisseur. kommentare, manchmal sogar solche kritischer natur, sind eine bestätigung und balsam für`s ICH - setzt sich doch jemand mit MIR auseinander, beschäftigt sich mit meinem wesen oder dem was ich davon preisgebe.
wo sonst darf das ICH eine derart große Rolle spielen?
ein bisschen ist der blog auch wie eine gedanken- und persönlichkeitsauslagerung bzw. eher ausstülpung. ich schaffe meinem ICH einen raum ausserhalb meines kopfes. ich mache sichtbar was mICH bewegt. ich gebe dem ICH oder einem teilICH gestalt.
"bewusstsein ist ein singular, dessen plural wir nicht kennen" sagt der schrödinger, die haupteigenschaft eines bewusstseins ist ja vermutlich die egozentrik, ich bin der überzeugung, dass ein ICH-begriff immer danach strebt sich auszudrücken, ein ICH hat zwar gelernt auch ein WIR zu akzeptieren, eher noch als ein DU, ist sich selbst jedoch meist wichtiger. das ICH will platz und von den anderen ICHs verstanden werden (obwohl die aus der ICH-sicht natürlich niemals gleichberechtigt sein können).
im schreibprozess hat das ICH endlich kein WIR oder DU auf das es rücksicht nehmen müsste, kein anderes ICH mit dem es konkurriert. es kann sich ungestört inszenieren und entfalten. der blog bietet dem ICH einige zusatzfunktionen, die z.b. ein autorenICH nicht hat. rankinglisten, abonennten und besucherzähler geben dem ICH einen zusätzlichen kick. nun kann es sich nicht nur lang und breit erklären, sondern endlich sofort messen wieviel es wert ist (das ICh kann ohne anerkennung von fremden ICHS nicht sein, obwohl es doch so gerne hätte, dass alle anderen ICHs ihm gleichen.)
spontane hobbypsychologie, unter umständen etwas wirr
Gregor Keuschnig - 21. Jun, 10:32
Das Problem ist, dass es mindestens zwei grundverschiedene "Arten" von Blogs gibt - ein bisschen repräsentiert in steppenhunds Antwort und bei Monique.
Ich betreibe einen Blog, der von mir selber so gut wie nichts privates direkt bekanntgibt. Man kann nur indirekt Rückschlüsse auf mich ziehen, z. B. über die Auswahl der besprochenen Artikel, Bücher, Filme, etc. Privates oder gar intimes erfährt man von mir nicht. Viele bloggen auf diese Art und Weise Texte, die sonst in der (berühmten) Schublade gelandet wären (das niederschmetternde Prozedere, seine Elaborate an "klassische Medien" anzudienen, scheiterte meist - aus den unterschiedlichsten Gründen).
Ich möchte diese Art von Bloggen einmal feuilletonistisch nennen. Feuilletonistische Blogger sind meist Laien (Autodidakten) mit manchmal fundierten, meist angelesenen Kenntnissen. Es ist schnell einzusehen, dass derartige Blogs mittel- und erst recht langfristig keinerlei Zukunft haben: Potentielle Leser erfahren nicht genuin Neues aus diesen Blogs - also nichts, was nicht in den gängigen Feuilletons schon -zig mal beschrieben worden wäre. Ergo gibt es keinen "Mehrwert" beim Lesen solcher Blogs. Da dies in überwiegender Anzahl der Fälle so ist, fallen die Ausnahmen nicht auf; die Ignoranz breiter Teile der sogenannten "Fachleute" Blogs gegenüber ist stark ausgeprägt. Wenn man einige Blogs einmal gelesen hat, dann ahnt man, warum.
Eine Zukunft im klassischen Sinn hat dann nur der privatistische Weblog, der über den Alltag des Bloggers berichtet. Die Möglichkeiten, diese Alltäglichkeit auszubereiten, sind sehr vielfältig. Das reicht von Sexblogs bis zur Schilderung der Probleme eines Sozialhilfeempfängers. Der grosse Vorteil der privatistischen Blogs ist, dass er mehr oder weniger ein Unikat ist. Es geht also letztlich um Originalität - um Einzigartigkeit. Diese Einzigartigkeit ist der "Mehrwert" für die potentiellen Leser.
(Ich lasse, weil dieser Kommentar nur eine grobe Vereinfachung darstellt, andere Formen des Bloggens mal weg: Themenblogging; kollaboratives Textbloggen; Vereinsblogs, usw.)
Viele feuilletonistischen Blogger ahnen ihre heraufziehende Bedeutungslosigkeit (die übrigens nichts über ihre Qualität aussagt; ich beschreibe nur die Rezeption!) - daher gibt es oft genug Mischformen. In diesen Gemischen zwischen feuilletonistisch und privatistisch lässt sich sicherlich so manch anspruchsvoller Beitrag "verstecken" und mehr Leserschaft generieren, als in der rein feuilletonistischen Darstellung.
Vermutlich trifft aber Zizek (oder der Zitatenfälscher) den Nagel auf den Kopf. Seinen Absolutheitsanspruch kann ich jedoch nicht nachvollziehen:
Nur durch das BLOG konstituiert sich das Subjekt als begehrendes
Wieso nur? Was hat man vor der "Erfindung" des Blogs gemacht?
Ich betreibe einen Blog, der von mir selber so gut wie nichts privates direkt bekanntgibt. Man kann nur indirekt Rückschlüsse auf mich ziehen, z. B. über die Auswahl der besprochenen Artikel, Bücher, Filme, etc. Privates oder gar intimes erfährt man von mir nicht. Viele bloggen auf diese Art und Weise Texte, die sonst in der (berühmten) Schublade gelandet wären (das niederschmetternde Prozedere, seine Elaborate an "klassische Medien" anzudienen, scheiterte meist - aus den unterschiedlichsten Gründen).
Ich möchte diese Art von Bloggen einmal feuilletonistisch nennen. Feuilletonistische Blogger sind meist Laien (Autodidakten) mit manchmal fundierten, meist angelesenen Kenntnissen. Es ist schnell einzusehen, dass derartige Blogs mittel- und erst recht langfristig keinerlei Zukunft haben: Potentielle Leser erfahren nicht genuin Neues aus diesen Blogs - also nichts, was nicht in den gängigen Feuilletons schon -zig mal beschrieben worden wäre. Ergo gibt es keinen "Mehrwert" beim Lesen solcher Blogs. Da dies in überwiegender Anzahl der Fälle so ist, fallen die Ausnahmen nicht auf; die Ignoranz breiter Teile der sogenannten "Fachleute" Blogs gegenüber ist stark ausgeprägt. Wenn man einige Blogs einmal gelesen hat, dann ahnt man, warum.
Eine Zukunft im klassischen Sinn hat dann nur der privatistische Weblog, der über den Alltag des Bloggers berichtet. Die Möglichkeiten, diese Alltäglichkeit auszubereiten, sind sehr vielfältig. Das reicht von Sexblogs bis zur Schilderung der Probleme eines Sozialhilfeempfängers. Der grosse Vorteil der privatistischen Blogs ist, dass er mehr oder weniger ein Unikat ist. Es geht also letztlich um Originalität - um Einzigartigkeit. Diese Einzigartigkeit ist der "Mehrwert" für die potentiellen Leser.
(Ich lasse, weil dieser Kommentar nur eine grobe Vereinfachung darstellt, andere Formen des Bloggens mal weg: Themenblogging; kollaboratives Textbloggen; Vereinsblogs, usw.)
Viele feuilletonistischen Blogger ahnen ihre heraufziehende Bedeutungslosigkeit (die übrigens nichts über ihre Qualität aussagt; ich beschreibe nur die Rezeption!) - daher gibt es oft genug Mischformen. In diesen Gemischen zwischen feuilletonistisch und privatistisch lässt sich sicherlich so manch anspruchsvoller Beitrag "verstecken" und mehr Leserschaft generieren, als in der rein feuilletonistischen Darstellung.
Vermutlich trifft aber Zizek (oder der Zitatenfälscher) den Nagel auf den Kopf. Seinen Absolutheitsanspruch kann ich jedoch nicht nachvollziehen:
Nur durch das BLOG konstituiert sich das Subjekt als begehrendes
Wieso nur? Was hat man vor der "Erfindung" des Blogs gemacht?
walhalladada - 21. Jun, 11:02
@Frau MCH
Alles, was Sie sagen, trifft zu...
Besonders eingehen möchte ich auf den Aspekt der 'Freundschafts- resp. Liebesbeziehung' und der vielleicht sogar damit zwingend verbundenen 'Ich-Auslagerung'...
Ich mache es mir allerdings einfach und behaupte, ohne 'Schnickschnackworte' geht es nicht, weil andernfalls man gänzlich auf 'sprachliche' Kommunikation verzichten müßte...(als Höhepunkt(!) durchaus vorstellbar...)
Im 'Begehren' sehe ich zuallererst die Herstellung einer 'Beziehung' zu mir selbst! Das mag für die wenigsten ein Problem darstellen, für mich ist es eins! Ich sehe in meinem 'Blogwesen' mittlerweile einen - allerdings völlig auf mich selbst bezogenen Fortschritt, dem man Unrecht tut, wenn man ihn 'narzistisch' nennen würde:
Die Auslagerung meines 'Ichs' in die virtuelle Welt des Blogs hat mich mir näher gebracht im Sinne einer früheren Post:
Mein psychisches Periodensystem scheint ausschließlich aus solchen Elementen zu bestehen, die so etwas wie eine 'Lebenspraxis' enorm verschwierigen...
Als hervorstechendste Charaktereigenschaft, wäre wohl an erster Stelle eine extreme Anpassungsfähigkeit zu nennen, welche, wiederum – Folge eines maßlosen Harmoniebedürfnisses - eine Lebensfremdheit mit sich bringt, die nur auf der Basis einer geradezu pathologisch zu nennenden Idiosynkrasie vorstellbar ist, welche sich wiederum nahtlos einreiht in..., aber, ich will ja niemanden langweilen...
Diese zweifelhaften Qualitäten zu kultivieren, heißt, deren neurotischen Kern anzuerkennen und – mithin – zu lernen, mit sich auszukommen!
Ich muss mir das immer wieder als so eine Art NLP
sagen, sonst wirkt es nicht!
Das mag die Wiederholung begründen!
(walhalladada - 21. Nov, 07:14)
Besonders eingehen möchte ich auf den Aspekt der 'Freundschafts- resp. Liebesbeziehung' und der vielleicht sogar damit zwingend verbundenen 'Ich-Auslagerung'...
Ich mache es mir allerdings einfach und behaupte, ohne 'Schnickschnackworte' geht es nicht, weil andernfalls man gänzlich auf 'sprachliche' Kommunikation verzichten müßte...(als Höhepunkt(!) durchaus vorstellbar...)
Im 'Begehren' sehe ich zuallererst die Herstellung einer 'Beziehung' zu mir selbst! Das mag für die wenigsten ein Problem darstellen, für mich ist es eins! Ich sehe in meinem 'Blogwesen' mittlerweile einen - allerdings völlig auf mich selbst bezogenen Fortschritt, dem man Unrecht tut, wenn man ihn 'narzistisch' nennen würde:
Die Auslagerung meines 'Ichs' in die virtuelle Welt des Blogs hat mich mir näher gebracht im Sinne einer früheren Post:
Mein psychisches Periodensystem scheint ausschließlich aus solchen Elementen zu bestehen, die so etwas wie eine 'Lebenspraxis' enorm verschwierigen...
Als hervorstechendste Charaktereigenschaft, wäre wohl an erster Stelle eine extreme Anpassungsfähigkeit zu nennen, welche, wiederum – Folge eines maßlosen Harmoniebedürfnisses - eine Lebensfremdheit mit sich bringt, die nur auf der Basis einer geradezu pathologisch zu nennenden Idiosynkrasie vorstellbar ist, welche sich wiederum nahtlos einreiht in..., aber, ich will ja niemanden langweilen...
Diese zweifelhaften Qualitäten zu kultivieren, heißt, deren neurotischen Kern anzuerkennen und – mithin – zu lernen, mit sich auszukommen!
Ich muss mir das immer wieder als so eine Art NLP
sagen, sonst wirkt es nicht!
Das mag die Wiederholung begründen!
(walhalladada - 21. Nov, 07:14)
Gregor Keuschnig - 21. Jun, 11:11
@wallhalladada
Ich sehe in meinem 'Blogwesen' mittlerweile einen - allerdings völlig auf mich selbst bezogenen Fortschritt, dem man Unrecht tut, wenn man ihn 'narzistisch' nennen würde
Um so mehr hätte ich hier Ihren Widerspruch geschätzt.
Um so mehr hätte ich hier Ihren Widerspruch geschätzt.
walhalladada - 21. Jun, 11:22
aus zeitgründen nur auf letzteres reagieren könnend:
sie haben recht! den vorwurf muss ich mir gefallen lassen.
mein link hat ja damals für 'verstimmung' gesorgt...
mir erschien er damals als im positiven sinne gemeinte unterstützung - das war nicht allein missverständlich, sondern wohl auch schlicht zu wenig!
sie haben recht! den vorwurf muss ich mir gefallen lassen.
mein link hat ja damals für 'verstimmung' gesorgt...
mir erschien er damals als im positiven sinne gemeinte unterstützung - das war nicht allein missverständlich, sondern wohl auch schlicht zu wenig!
Gregor Keuschnig - 21. Jun, 12:14
Aus Zeitgründen...
nur kurz: Verstimmung? Nein.
Aber: Es ist nie zu spät!
Aber: Es ist nie zu spät!
walhalladada - 21. Jun, 13:13
@Gregor Keuschnig
Sie sehen mich ja völlig einverstanden, mit Ihrer Analyse des Blogwesens..., trotzdem möchte ich das 'Pferd' nicht von seiner Rezeptionsseite aufzäumen, sondern von der des individuellen Ausdruckfindens...Schaut man sich nur ein wenig um, dann springt ja sofort die Tatsache ins suchende Auge, dass es daran mangelt...
Natürlich möchte man gelesen werden, aber die Klickzahlen allein sind als Selbstzweck auf Dauer nicht genug! Ein weites Feld auch dieses Thema und meinen bescheidenen Versuch, den Spaten anzusetzen, finden Sie hier!
P.S.: Wenn Sie im Ausgangstext das Wort 'Blog' durch 'Phantasma' ersetzen, haben Sie die 'Fälschung' wieder rückgängig gemacht...
Natürlich möchte man gelesen werden, aber die Klickzahlen allein sind als Selbstzweck auf Dauer nicht genug! Ein weites Feld auch dieses Thema und meinen bescheidenen Versuch, den Spaten anzusetzen, finden Sie hier!
P.S.: Wenn Sie im Ausgangstext das Wort 'Blog' durch 'Phantasma' ersetzen, haben Sie die 'Fälschung' wieder rückgängig gemacht...
ConAlma - 21. Jun, 06:09
Das Begehren eines Seins. Eines Seins, das im sonstigen Tun zu wenig der eigenen Aufmerksamkeit erhält.
Während die Suche nach Anerkennung schnell in Sucht umschlägt, sind die wenigen, verstreuten Augenblicke des Erkanntwerdens von nachhaltiger Befriedung erfüllt, als eine Aufmerksamkeitskulmination. Lichtfenster.
Während die Suche nach Anerkennung schnell in Sucht umschlägt, sind die wenigen, verstreuten Augenblicke des Erkanntwerdens von nachhaltiger Befriedung erfüllt, als eine Aufmerksamkeitskulmination. Lichtfenster.
walhalladada - 21. Jun, 12:01
*lichtfensterln*
katiza - 21. Jun, 07:27
Verehrter Herr Dr. , seit ich gestern Ihre Praxis verlassen habe, zerbreche ich mir den Kopf. Sie und Zizek haben mir beim Kochen Gesellschaft geleistet - Entenbrust auf Rhabarber, übrigens - sie haben mich ins Bett begleitet und ich bin mit Ihnen aufgewacht. JA! Mein Blog ist ein Schauplatz, der als solcher das Begehren r e a l i s i e r t und inszeniert.. Aber ist nicht mein ganzes Leben das? Jede Begegnung ist eine Inszenierung des Begehrens - wie eine Kinoleinwand, auf der ich Film um Film herunter spiele. Viel zu selten wage ich den Blick auf die weiße Leinwand...
Ich kann aber nicht unterstreichen, dass ich durch das Blog zu begehren lerne - es ist nur eine neue cinematographische Technik - Dolby Surround oder so - die andere Filme, basierend aber auf den selben, alten Archetypen ermöglicht. Das Begehren fühlt sich vielleicht anders an - im Endeffekt landen wir alle bei Mutter Theresa.
Kann das Begehren erfüllt werden?
Ich kann aber nicht unterstreichen, dass ich durch das Blog zu begehren lerne - es ist nur eine neue cinematographische Technik - Dolby Surround oder so - die andere Filme, basierend aber auf den selben, alten Archetypen ermöglicht. Das Begehren fühlt sich vielleicht anders an - im Endeffekt landen wir alle bei Mutter Theresa.
Kann das Begehren erfüllt werden?
walhalladada - 21. Jun, 12:47
Aber Frau Katica, Sie machen doch alles richtig!
(und nehmen Schein sogar mit ins Bett...dann war das bestimmt der dicke Zizek, der heut Nacht so geschnarcht hat :-))
Im Ernst: Ich hab den Eindruck, dass Sie eh alles richtig machen - von der Entenbrust auf Rhabarber ganz zu schweigen!
Ich glaube fest daran, dass es ein Gendermerkmal der 'FRAU' ist, den das Begehren im Kern konstituierenden Mangel immer wieder und unermüdlich zu reproduzieren - das ist ernsthaft gemeint!
Der 'Mann' neigt viel eher dazu, dem eigentlichen Paradox des Begehrens auf den Leim zu gehen:
Die Suche und die Unentschlossenheit, die das Begehren als s o l c h e s charakterisieren, sind ja bereits schon dessen Realisierung...!
Aber das merkt er nicht, der Dummkopf...!
Mehr ist nicht drin!
Mehr als mehr begehren ist nicht drin!
Anders gesagt: Der Verlust, den man erleiden würde, wenn das Begehren ganz erfüllt wird, wäre der eigentliche krankmachende, psychopathologische Befund!
Das Verschwinden des Begehrens ist die eigentliche Ursache psychischen Leids; man ist deshalb gut beraten, alle 'Techniken' aufzuwenden, die den Kreislauf des Begehrens weiter und weiter zirkulieren lassen..........
Sie fragen, ob das Begehren erfüllt werden kann?
Ich antworte vor dem Hintergrund des Gesagten:
"Lieber nicht!"
(Und wenn, dann je später, desto besser...)
(und nehmen Schein sogar mit ins Bett...dann war das bestimmt der dicke Zizek, der heut Nacht so geschnarcht hat :-))
Im Ernst: Ich hab den Eindruck, dass Sie eh alles richtig machen - von der Entenbrust auf Rhabarber ganz zu schweigen!
Ich glaube fest daran, dass es ein Gendermerkmal der 'FRAU' ist, den das Begehren im Kern konstituierenden Mangel immer wieder und unermüdlich zu reproduzieren - das ist ernsthaft gemeint!
Der 'Mann' neigt viel eher dazu, dem eigentlichen Paradox des Begehrens auf den Leim zu gehen:
Die Suche und die Unentschlossenheit, die das Begehren als s o l c h e s charakterisieren, sind ja bereits schon dessen Realisierung...!
Aber das merkt er nicht, der Dummkopf...!
Mehr ist nicht drin!
Mehr als mehr begehren ist nicht drin!
Anders gesagt: Der Verlust, den man erleiden würde, wenn das Begehren ganz erfüllt wird, wäre der eigentliche krankmachende, psychopathologische Befund!
Das Verschwinden des Begehrens ist die eigentliche Ursache psychischen Leids; man ist deshalb gut beraten, alle 'Techniken' aufzuwenden, die den Kreislauf des Begehrens weiter und weiter zirkulieren lassen..........
Sie fragen, ob das Begehren erfüllt werden kann?
Ich antworte vor dem Hintergrund des Gesagten:
"Lieber nicht!"
(Und wenn, dann je später, desto besser...)
katiza - 21. Jun, 16:59
Verehrter Herr Dr., wo würde Schein schon dringender gebraucht als im Bett - womit wir auch gleich bei der Gender-Analyse wären. Da gebe ich ihnen (triumphierend lächelnd) recht und nehme ihr Rezept - "Lieber nicht!" voll Dankbarkeit an. Ich werde also behutsam umgehen mit Begehren (und Begierde?), getreu dem Motto besser nie als spät. Dankbar bin ich auch für die Begegnung mit Zizek - der alten Schnarchnase.
walhalladada - 21. Jun, 07:53
so fällt denn - dem trüben tag trotzend - das helle 'licht' gleich aus drei 'fenstern' in meine frühe stube :-)
eine eingehendere 'antwort' wird mir erst später möglich sein...
eine eingehendere 'antwort' wird mir erst später möglich sein...
steppenhund - 21. Jun, 22:52
Tristan und Isolde
eine fürchterliche Vorstellung: wenn sie sich gekriegt hätten...
oder Romeo und Julia.
oder Romeo und Julia.
steppenhund - 21. Jun, 23:40
doch heimlich dürsten wir ...
Katizas Darstellung kann ich mich voll anschließen. Aber mich wundert bei all diesen Ausführungen die Singularität. Das Bloggen besteht ja nicht nur aus dem Ausfüllen des eigenen Blogs sondern auch aus den Kommentaren, die man woanders hinfallen lässt. Kleine Patzerchen mit ganz unterschiedlicher Motivation, getrieben von einer Interaktion mit dem anderen Blogger. Allerdings führen diese Kommentare wieder auf das eigene Blog zurück. Denn wie bekommt man denn überhaupt Leute zum kommentieren, wenn nicht eine Art Verwandtschaft aufgebaut wird.
Wenn ich dies aber so weit analysiere, dann stelle ich ganz unterschiedliche Arten von Blogbewusstsein fest.
Das privatistische Blog, wie Gregor Keuschnig es sehr treffend ausdrückt, verliert mit der Zeit seinen Reiz für den Langzeitleser. Ich stelle fest, dass meine voyeuristischen und in der Folge auch meine exhibitionistischen Tendenzen sehr stark abgenommen haben, seit ich Muster erkennen kann.
Wenn ich heute schreibe, dass ich Rachmaninov übe, hat das nichts mit Exhibitionismus zu tun oder Angabe sondern hat tatsächlich Tagebuchcharakter. Ich wäre froh, wenn ich wüßte, was mich in den Neunzigerjahren dazu gebracht hat. Es war sicher bei irgendeinem Konzert, dass mich die Interpretation so gefesselt hat. Aber ob das ein Schüler war oder ein Meister, weiß ich heute nicht mehr. Irgendetwas muss es gegeben haben. Schade eigentlich. Diesmal habe ich es aber einfach niedergeschrieben. Mehr licht's Wohngemeinschaft übt das. Das könnte eine ziemliche Belastung sein, doch es reizt mich, es nachzumachen. Mir ist es mittlerweile egal, was andere Leser daraus für Rückschlüsse ziehen. Sie hätten die gleichen Rückschlüsse aus früheren Eintragungen schöpfen können, daher ist der eigentliche Mehrwert der Eintragung nur für mich selbst gegeben.
Wenn ich hingegen das Blog des Hausherrn betrachte, so mag es für ihn "das Begehren" bedeuten, für mich als Leser und Partizipant könnte ich fast vom Gegenteil, von der Absenz des Begehrens sprechen.
für mich hat der Austausch hier spielerischen Charakter, - und zwar im Sinn eines Glasperlenspiels. Viele Inhalte werden hier angesprochen, die ich aktiv nie angehen würde. Dann gibt es ein Wort, eine Phrase, die mich herausfordern, und ich fange an, mich mit einem Thema zu beschäftigen. Manchmal kommen ganz merkwürdige Sachen zutage. Ich suche zB das Originalzitat zur Erfahrung, die nur dann gemacht wird, wenn zum Erleben die Reflexion kommt, und finde dies hier. (Achtung! Ist etwas ganz anderes.)
Die Beschäftigung mit den Inhalten ist eine spielerische. Das mag ich sehr. Ich könnte so weit gehen, auch mein eigenes Blog als Spiel zu sehen. Meine Selbstdarstellung dort ist positiv gefärbt. Das liegt aber daran, dass ich keine Lust habe, negative Stimmungen zu verströmen.
Wenn ich wie heute eine Schulung mit neuen Mitarbeitern durchführe, halte ich nicht hinter dem Berg, wenn es um die Schilderung negativer Erfahrungen geht, um Fehlurteile, die ich einmal gefällt habe, oder um den Aha-Effekt, der eintritt, wenn man eine langjährig vertretene Meinung selbst als falsch erkennen muss. Im Leben gilt es, das kann man nicht noch einmal die Figuren neu aufstellen. Im Blog kann man probieren. Das habe ich oft gemacht. Und wie schon gesagt, könnte ich zu bloggen aufhören, wenn es keine Ziele mehr dafür zu erkennen gibt.
Aber es gibt Ziele. Es gibt Ziele im privatistischen Blog und es gibt welche im technischen Blog. Und langsam sehe ich das ganze als eine große Gestalt, bei der ich möglicherweise einige wuchernde Äste stutzen sollte.
Aber das Begehren erfüllt sich.
Was der Hausherr über das männliche Begehren schreibt, spielt sich ja auch in dem Verliebtsein in das Verliebtsein ab. Ich muss zugeben, dass ich mich persönlich sehr gut in der Unfähigkeit wiederfinden kann. Das alles relativiert sich allerdings sehr schnell, wenn es wieder echte Ziele im Leben gibt.
Damit löst sich aber der Bezug auf das Glasperlenspiel auf. Denn heimlich dürsten wir ...
Wenn ich dies aber so weit analysiere, dann stelle ich ganz unterschiedliche Arten von Blogbewusstsein fest.
Das privatistische Blog, wie Gregor Keuschnig es sehr treffend ausdrückt, verliert mit der Zeit seinen Reiz für den Langzeitleser. Ich stelle fest, dass meine voyeuristischen und in der Folge auch meine exhibitionistischen Tendenzen sehr stark abgenommen haben, seit ich Muster erkennen kann.
Wenn ich heute schreibe, dass ich Rachmaninov übe, hat das nichts mit Exhibitionismus zu tun oder Angabe sondern hat tatsächlich Tagebuchcharakter. Ich wäre froh, wenn ich wüßte, was mich in den Neunzigerjahren dazu gebracht hat. Es war sicher bei irgendeinem Konzert, dass mich die Interpretation so gefesselt hat. Aber ob das ein Schüler war oder ein Meister, weiß ich heute nicht mehr. Irgendetwas muss es gegeben haben. Schade eigentlich. Diesmal habe ich es aber einfach niedergeschrieben. Mehr licht's Wohngemeinschaft übt das. Das könnte eine ziemliche Belastung sein, doch es reizt mich, es nachzumachen. Mir ist es mittlerweile egal, was andere Leser daraus für Rückschlüsse ziehen. Sie hätten die gleichen Rückschlüsse aus früheren Eintragungen schöpfen können, daher ist der eigentliche Mehrwert der Eintragung nur für mich selbst gegeben.
Wenn ich hingegen das Blog des Hausherrn betrachte, so mag es für ihn "das Begehren" bedeuten, für mich als Leser und Partizipant könnte ich fast vom Gegenteil, von der Absenz des Begehrens sprechen.
für mich hat der Austausch hier spielerischen Charakter, - und zwar im Sinn eines Glasperlenspiels. Viele Inhalte werden hier angesprochen, die ich aktiv nie angehen würde. Dann gibt es ein Wort, eine Phrase, die mich herausfordern, und ich fange an, mich mit einem Thema zu beschäftigen. Manchmal kommen ganz merkwürdige Sachen zutage. Ich suche zB das Originalzitat zur Erfahrung, die nur dann gemacht wird, wenn zum Erleben die Reflexion kommt, und finde dies hier. (Achtung! Ist etwas ganz anderes.)
Die Beschäftigung mit den Inhalten ist eine spielerische. Das mag ich sehr. Ich könnte so weit gehen, auch mein eigenes Blog als Spiel zu sehen. Meine Selbstdarstellung dort ist positiv gefärbt. Das liegt aber daran, dass ich keine Lust habe, negative Stimmungen zu verströmen.
Wenn ich wie heute eine Schulung mit neuen Mitarbeitern durchführe, halte ich nicht hinter dem Berg, wenn es um die Schilderung negativer Erfahrungen geht, um Fehlurteile, die ich einmal gefällt habe, oder um den Aha-Effekt, der eintritt, wenn man eine langjährig vertretene Meinung selbst als falsch erkennen muss. Im Leben gilt es, das kann man nicht noch einmal die Figuren neu aufstellen. Im Blog kann man probieren. Das habe ich oft gemacht. Und wie schon gesagt, könnte ich zu bloggen aufhören, wenn es keine Ziele mehr dafür zu erkennen gibt.
Aber es gibt Ziele. Es gibt Ziele im privatistischen Blog und es gibt welche im technischen Blog. Und langsam sehe ich das ganze als eine große Gestalt, bei der ich möglicherweise einige wuchernde Äste stutzen sollte.
Aber das Begehren erfüllt sich.
Was der Hausherr über das männliche Begehren schreibt, spielt sich ja auch in dem Verliebtsein in das Verliebtsein ab. Ich muss zugeben, dass ich mich persönlich sehr gut in der Unfähigkeit wiederfinden kann. Das alles relativiert sich allerdings sehr schnell, wenn es wieder echte Ziele im Leben gibt.
Damit löst sich aber der Bezug auf das Glasperlenspiel auf. Denn heimlich dürsten wir ...
walhalladada - 22. Jun, 11:42
das privatistische sehe ich nicht ausschließlich von voyeuristischen/exibitionistischen motiven abgedeckt...
die mag es 'natürlich' auch geben, aber ich bestehe auf einer privatheit, in der sich - vielleicht als letzte ressource - so etwas wie o b j e k t i v i t ä t überhaupt noch vermitteln lässt.
das 'private' geht auch nach brot...und das macht durstig :)
die mag es 'natürlich' auch geben, aber ich bestehe auf einer privatheit, in der sich - vielleicht als letzte ressource - so etwas wie o b j e k t i v i t ä t überhaupt noch vermitteln lässt.
das 'private' geht auch nach brot...und das macht durstig :)



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