steppenhund - 18. Nov, 20:13

Was ist denn das für ein Titel?

Zu Geist fällt mir eigentlich nichts ein.
Als typischer Legastheniker habe ich gelesen: Geits ist geil. War dies nicht jener unsäglich depperte Werbeslogan eines Diskonters, der jetzt glücklicherweise nicht mehr die Werbebroschüren verunziert.
Ein wunderbarer Beitrag, zu dessen adäquater Kommentierung mir leider jetzt der Geist fehlt. Die "Begeisterung" hat mir vor zwei Jahren eine Frau abgekauft, die den Begriff überhaupt nicht in meiner Interpretation nachvollziehen konnte.
Daher hält sich Begeisterung bei mir jetzt nur mehr in Grenzen, welche erst wieder ausgeweitet werden müssen.
Ich stimme b&m im Punkt 1 vorbehaltlos zu und so bewundere ich auch die knappe Zusammenfassung, an die sich der Autor nicht mehr zu erinnern scheint.
Abgesehen von den Vereinnahmungen, die der Geist in Form des Zeitgeistes erdulden musste, liegt seine Bedeutung doch in der Trias von Geist, Körper und Seele, im Zusammenspiel zwischen diesen drei disjunkten, aber eng zusammenarbeiten müssenden Entitäten. (Soferne man diesen Grad an Esoterik überhaupt ansprechen mag.)
(Das "Im-Drüben-Fischen" scheint ja echt mit Trübem attributiert zu sein.)
Eine Frage scheint mir zu sein, wie eng oder lose der Geist mit dem Begriff der Intelligenz verbunden ist. Von Kongruenz kann man nicht sprechen. Intelligenz ist zwar eine notwendige aber nicht hinreichende Voraussetzung, wie man in der Mathematik zu sagen pflegt. Welches Ingredienz fehlt da noch? Ich halte da doch eine Art geistige Körperlichkeit oder auch körperliche Geistigkeit für notwendig. Geist wird durch Körpermasse nicht unbedingt behindert, doch am sichtbarsten wird er in den Augen. Wenn aber die Augen so deutlich Augenschein abgeben können, kann der Geist nicht ganz körperlos sein.
Ohne Seele wirkt aber selbst der schärfste Geist schal, da halte ich es ausnahmsweise einmal mit einem Bibelzitat, was ziemlich untypisch für mich ist. Paulus, 1. Korinther 13,2.
Daran muss ich mich halten, weil mir zu Geist leider selber nichts einfällt.

walhalladada - 18. Nov, 22:26

Lieber Steppenhund, danke zunächst für Ihren Kommentar, auch wenn ich seit gestern weiß, dass Sie kommentieren m ü s s e n, wird diese 'Zwangshandlung' hier doch sehr gerne gesehen :)
Auch an dieser Stelle muss ich mich wiederholen, aber für Sie tue ich das natürlich mit einem Bibelzitat:
Das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach(Matth.26/41) und in der Tat geht es mir gerade eben genauso!
Ob und inwiefern 'Geist' und 'Intelligenz' zusammenhängen, wer weiß das schon? Das Bild mit dem Augenschein gefällt mir aus naheliegenden Gründen...
Am besten gefällt mir der Begriff in seiner Zusammensetzung: 'Geistegegenwart'. Was diese auszeichnet, kann keine Intelligenz je erreichen!
Zunächst habe ich mich auch an dem Titel 'Geist & Gegenwart' entzündet, um mich (schon wieder?) dann doch den ehernen Marktgesetzen ('Geil sells') zu unterwerfen...
steppenhund - 18. Nov, 23:34

Geistesgegenwart hat mit Bewusstsein zu tun, mit "awareness", da ist weder Intelligenz noch Geist im Spiel.
Da gibt es eine Erfahrung, die mich immer wieder aufs Neue überrascht hat. In Japan hatte ich normalerweise eine Dolmetscherin zur Verfügung, Diese übersetzte brav alles, was im direkten Gespräch lief. Wenn die Japaner untereinander sprachen, wollte sie es mir nicht übersetzen. Das dachte ich ursprünglich. Dann stellte ich aber fest, dass sie in diesen Zeiten einfach abschaltete. Es gehörte nicht zu ihrem Geschäft, daher interessierte es sie nicht.
Als ich Japan schon eineinhalb Jahre bereiste, war es nicht mehr notwendig, sie zu fragen. Ich verstand zwar nicht, was die Geschäftspartner sagten, aber ich verstand, worüber sie redeten und was sie für eine Laune hatten. Das war die für mich wichtige Information. Aber den Mangel an Interesse habe ich nie verstanden.
Als ich in Russland unterwegs war, hatte ich auf Banketten oft drei verschiedene Gesprächsfaden im Ohr, russisch, deutsch und englisch. Aber natürlich war ich selber motiviert, möglichst viel mitzubekommen.
Ich bin aber heute noch begeistert, wenn ich auf Menschen treffe, die auf einen zugeworfenen Satz prompt reagieren können - und zwar nicht mit Gemeinplätzen sondern mit einer auf den Satz bezogenen Pointe.
Diese Art von Snobismus kommt halt leider manchmal teuer zu stehen, ich gelte dann als überheblich.
walhalladada - 19. Nov, 00:01

Sie sind ja ganz schön überheblich, aber wenn das nun mal Ihre Schokoladenseite ist, warum denn nicht...;-)

Aber warum sollte der 'Geist' denn ausgerechnet mit seiner 'Gegenwart' nichts zu tun haben dürfen - das verstehe ich nicht...aber jetzt ist sowieso 'Geisterstunde'...später...
steppenhund - 19. Nov, 08:57

Naja, ich schrieb schon sehr angeberisch - in jedem Blog würde ich so etwas nicht veröffentlichen, nicht einmal im eigenen. Ich wollte einfach die notwendige Grundeinstellung für Geistesgegenwart darstellen. Die besteht darin, dass man "da" ist. Vielleicht spielt der Geist schon mit. Mir fällt dazu noch der Begriff Konzentration ein. Aber manchmal benötigt man für Geistesgegenwart ja De-Konzentration. So ähnlich wie beim Suchen eines Gegenstandes auf dem Teppich, wo ich nicht besser von oben sondern besser von der Seite darauf schaue.
Da ich daran denke, mich allmählich aus dem Bloggeschehen zu verabschieden, agiere ich bereits etwas hemmungsloser:)
walhalladada - 19. Nov, 10:15

Da-sein, das ist wohl ein wichtiges Merkmal der Geistesgegenwart, wobei die Frage offenbleibt, wo dieses DA sich denn eigentlich genau befindet... Auch das, was Sie so treffend De-Konzentration nennen, gehört zu deren Grundbedingungen...aus der Versunkenheit in die Gegenwart aufzutauchen und ihr entsprechend Paroli bieten, das kennzeichnet vielleicht dieses nicht immer gelingende Vermögen...
Wahrscheinlich ist es auch so, dass derjenige, der so in der Gegenwart auftaucht, sowieso auf diese schaut, als hätte er hier 'Nichts' verloren...Der schräge, anamorphotische Blick auf den Teppich kann, wenn er denn glückt, vielleicht ein neues Muster auf dessen Oberfläche entdecken...
Dass Ihre ´Hemmungslosigkeit´mit der Ankündigung einhergeht, sich vom Blogwesen über kurz oder lang zu verabschieden, will mir allerdings gar nicht gefallen und wird deshalb schlankweg ignoriert!

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