25
Jan
2008

WEIB & WARE

(Aus der Abteilung 'Schein goes Fashion...')

mager-model benjaminpbouw modeltod


Die Mode hat den dialektischen Umschlagplatz zwischen Weib und Ware - zwischen Lust und Leiche - eröffnet. Ihr langer flegelhafter Kommis, der Tod, mißt das Jahrhundert nach der Elle, macht wegen der Ersparnis selbst das Mannequin und leitet eigenhändig den Ausverkauf, der auf französisch 'révolution' heißt. Denn nie war Mode anderes als die Parodie der bunten Leiche, Provokation des Todes durch das Weib und zwischen geller memorierter Lache bitter geflüsterte Zwiesprache mit der Verwesung. Das ist Mode. Darum wechselt sie so geschwinde; kitzelt den Tod und ist schon wieder eine andere, neue, wenn er nach ihr sich umsieht, um sie zu schlagen.

(Walter Benjamin über Mode)






'Kate Moss for Queen...'

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http://walhalladada.twoday.net/stories/4646964/modTrackback

Anousch O. - 25. Jan, 16:55

Walter weiter:

Jede Generation erlebt die Mode der [gerade] verflossenen als das gründlichste Antiaphrodisiacum, das sich denken läßt.

walhalladada - 25. Jan, 19:40

Schlagender lässt sich die zitierte These wohl kaum unter Beweis stellen als mit 'Sonny' Crocket, alias Don Johnson....Und dieses Trio infernale, welches da zu was eigentlich einlädt, ist einfach nur abschreckend....
books and more - 25. Jan, 19:48

Die Damen sehen aus wie von irgendeiner Sekte für minderbemittelte Besserverdienende. Grausig!

Also höchstens noch die Mittlere ... wenn sie die Schuhe auszieht und sich die Skihosen abschneidet, könnte das gerade noch als Bademeister-Look durchgehen ...
steppenhund - 25. Jan, 21:03

Irgendwo stehe ich da komplett daneben.
Don Johnson finde ich recht ok, ich sehe regelmäßig Nash Bridges zum Einschlafen.
Und sonst sehe ich nur zwei weibliche Geschöpfe, die beide ziemlich abturnend aussehen.
Dabei gibt es so viele schöne Frauen.
walhalladada - 25. Jan, 21:05

Walter weiter....

'Das brennendste Interesse der Mode liegt für den Philosophen in ihren außerordentlichen Antizipationen. Die Mode ist in einem konstanten, präzisen Kontakt mit den kommenden Dingen kraft der unvergleichlichen Witterung, die das weibliche Kollektiv für das hat, was in der Zukunft bereitliegt. Jede Saison bringt in ihren neuesten Kreationen irgendwelche geheimen Flaggensignale der kommenden Dinge. Wer sie zu lesen verstünde, der wüßte im voraus nicht nur um neue Strömungen der Kunst, sondern um neue Gesetzbücher, Kriege und Revolutionen'.
walhalladada - 25. Jan, 21:27

@Albert
Ich erkenne in den drei Damen jetzt die antiseptischen Odalisken eines noch antiseptischeren 'Wellness-Tempels'....

@Steppenhund
Sie sehen zwar nur zwei Damen, stehen aber, wie Sie sagen, komplett daneben. Dann stimmt es wenigstens in der Summe wieder. Natürlich gibt es viele schöne Frauen. Aber sind sie auch angezogen schön...?
Und was ist das überhaupt 'Schönheit'?
Eine ausführliche und überzeugende Definition findet sich hier....
books and more - 25. Jan, 21:43

@Steppenhund

Oder Sie klicken - um das aufzuklären - im Kommentar von Frau Anousch auf das 'läßt' und stehen wie einst Paris vielleicht nicht mehr neben, sondern vor der Entscheidung, welche da nun den grausligsten Kaftan anhat.

[Seien Sie gewarnt, aber Sie wissen es bestimmt schon: In dieser wie in vielen anderen 'Frauenfragen' gibt es grundsätzlich nur FALSCHE Antworten ;-) So oder so: Daneben.]
steppenhund - 25. Jan, 23:23

@an die Helfenden

Ich habe mich jetzt in Niederungen des A.schen Links hinuntergelassen und verstehe jetzt zumindest diesen Teil recht gut.
-
Aus der Vielfalt der Frauen, deren Attraktion mich in den Filmen begeistert hat, führe ich meinen ersten Star an:
http://www.fankys.ch/A%20Tribute%20To%20Brigitte%20Bardot.htm
und füge einen Star aus einer Zeit hinzu, wo ich nicht mehr auf einen Typ fixiert war: Liv Ullmann.
walhalladada - 26. Jan, 00:39

Lieber Steppenhund, es geht ja doch hier um Mode, also um eine reine Äußerlichkeit, der Benjamin allerdings eine allegorische Tiefe zugesteht, die mich immer wieder in Erstaunen setzt.
Weib/Lust versus Ware/Leiche - das sind Analogien, die gefallen mir in ihrer Stimmigkeit.
Sicher aber sind wohl auch Filmstars und deren Couturiers Zeitmoden unterworfen, wie auch der bewundernde Blick auf diese selbst. Was mich an Filmen interessiert sind immer auch die Klamotten, in diesem Sinn mag ich Filme immer auch als Kostümfilme.
Was hatten denn B.B. und Liv Ullmann an, als sie das erste Mal Ihr Wohlgefallen erregten?
steppenhund - 26. Jan, 08:56

da habe ich nie darauf geachtet, was die Damen anhatten. Es war mir allerdings lieber, wenn sie nichts anhatten:)
walhalladada - 26. Jan, 14:07

Herrgottaberauch!

Muss man denn alles alleine machen....?
ConAlma - 26. Jan, 18:26

off thread

... aber weils an der Stelle passt: Augen und Lippen wie dazumal! Die morgige Fernsehnacht gehört größtenteils Jeanne Moreau.

Mal schauen, ob ich in 30 Jahren noch so ein Schauen zustande bring!
walhalladada - 26. Jan, 18:52

Aber sicher, Frau Alma! Sie müssen nur halt schauen, dass Sie immer einen Jules u n d einen Jim in der Nähe haben :)
ConAlma - 28. Jan, 08:59

Einen Jim hab ich, darfs dazu auch eine Juliette sein?
walhalladada - 28. Jan, 09:07

Aber selbstverständlich! Was Romeo durfte,
das dürfen Sie schon lange....
Trithemius - 26. Jan, 00:03

Ach und was mich am meisten quält,

darüber kann auch Walter Benjamin nicht hinwegtrösten: Die Hüfthosenmode. Denn sie verändert sich nicht geschwinde, sonder hängt seit Jahren unverändert über der Welt und will und will nicht weichen.

walhalladada - 26. Jan, 00:11

Ähnlich wie die immer zu kurzen Hemden, die ständig den Bund mit der hüftigen Hose aufkündigen...Wenn Sie mich fragen: Das ist doch gewollt. Zumindest im Sinne Benjamins als ein prospektiver Vorschein kommender Unbill. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, was hier in der ewig aktuellen Mode antizipiert wird:
Auf jeden Fall kommen Kürzungen auf uns zu!
Trithemius - 26. Jan, 00:26

Kürzungen, genau,

die meisten tragen nur noch reduzierte Sachen.

walhalladada - 26. Jan, 00:46

reduced to the max....

Von den Lebensjahren ganz zu schweigen ;)
ConAlma - 26. Jan, 10:42

Angesichts mancher Laufsteg-Körper: Und Hungertod als Lohn dafür, das Vorausgesehndste als erste getragen zu haben.

walhalladada - 26. Jan, 14:10

Das Vorauszusehendste ist das Verdrängteste, aber tatsächlich scheint der Benjaminsche 'Tod' sich in den Biafrakörpern mancher Modells Ausdruck zu verschaffen.

P.S.: Diese bis auf die Knochen abgemagerten Körper erinnern mich auch stark an an das Erscheinungsbild überlebender KZ-Häftlinge...
pathologe - 26. Jan, 14:19

und ich wollte schon fragen, ob wieder für Afrika gesammelt wird? Die Damen, die die neue Mode, ob es auch dem Betrachter gefällt, sei einmal dahingestellt, vorführen, lassen ja schon erahnen, was tausenden von Frauen danach blühen wird: der Ansturm auf fett-, geschmacks- und nährstoffreduzierte Nahrungsersatzmittel, nur um dem "Traumkörper" näher zu sein. Und dann sich in Mode zu zwängen, die dem Designer gefällt, den begleitenden Männern aber nur Unverständnis abringt.

Wenn ich da an die Damen denkem die ich unlängst sah und die so überhaupt gar nicht sich von Modezwängen etwas aufoktroieren lassen...
walhalladada - 26. Jan, 15:58

Wo denken Sie denn hin, Herr Pathologe...?
anonym (anonym) - 27. Jan, 10:20

Doppeltes "Wer war's"

Gegensätze

Ein Mädchen, das nett und adrett wr,
Nur daß es so flach wie ein Brett war,
Tat selbst sich oft leid
Und schaute voll Neid
Auf jede sogar, die zu fett war.

walhalladada - 27. Jan, 12:21

Der Herr Pathologe will das 'Geheimnis' offenbar nicht auflösen und auch dessen ebenso anonyme wie rätselhafte Verdopplung verschafft - zumindest mir - keine weitere Aufklärung.
Außer vielleicht, dass sich Gegensätze anziehen und dass es in jedem Fall besser ist, Neid zu erregen als Mitleid!
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Anousch O. - 20. Aug, 23:55
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walhalladada - 20. Aug, 22:10
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walhalladada - 20. Aug, 18:57
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walhalladada - 20. Aug, 18:13
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walhalladada - 20. Aug, 17:36
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